LYRISCHES ICH

einsam.

 

erst der einschlag,
einsamkeitsschock.
vom herz bis in die knie 
und in die arme 
– seelisches gliederreißen.

 

der geist gefangen 
in der hauthülle 
vernäht sich seine narben 
mit stumpfer nadel 
– entstelltes selbstbild.

 

hält das lächeln zusammen 
– schau, wie schön ich bin.
kann man mich nicht lieben?

 

mit haien tauchen

 

im tiefen blau zwischen angst
und verheißung ruht inmitten
von erwarten und befürchten
die geistesgegenwart.

 

ein schemenhafter rücken schneidet
durch das blau der seelenruhe
und folgt dem wilden schlag
der ungezähmten gegenwart.

 

wer mit haien taucht,
beherrscht sich selbst
und hat keine angst mehr
vor dem tiefen blau. 

bin wieder
seelenruhig

 

wo sie anschlägt,
gibt es Funkenflug

 

und die Seele wiegt kein Gramm

Blaue Stunde

 

Der Tag liegt hinter mir
aus gläsernen Augen
schau’n die Busse
in den Abend vor mir.

 

Abgekühlt ruh’n 
Licht und Klang,
atmen war noch nie so leicht.

 

Strahlend winkt der Tag
zum Abschied.
 

Frühlingsgefühle im Herbst

 

Erinnerung hüllt das Haus in leise Trauer 
Blätter und Licht bohemisch fallend
stürzen kichernd, kullernd übereinander

 

Bloß die Dramatik hat die Tage wieder
das Leben nimmt die Fenster in Beschlag 
Stunden einsammeln bevor es zu spät ist

 

Rara Avis singt aus der kahlen Krone
schöne sommernächtliche Sentenzen
aus Erinnern wird Begehren geboren. 

©Jan Budde. Alle Rechte vorbehalten.

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